Disclosure Day: Spielbergs Rückkehr zu den Sternen

Sie kommen seit 70 Jahren. Und niemand soll davon erfahren.
Disclosure Day
Bild: KI-generiert mit ChatGPT (OpenAI)

Steven Spielberg kehrt mit „Disclosure Day – Tag der Wahrheit“ zu jenem Genre zurück, das seinen Ruf als einer der größten Regisseure Hollywoods mitbegründet hat: Science Fiction. Das Thema ist dabei alles andere als neu – die Frage, ob wir allein im Universum sind. Neu ist allenfalls der Blickwinkel.

Seit sieben Jahrzehnten besuchen Außerirdische die Erde. Regierungen und Militär wissen davon, halten die Existenz der Besucher jedoch unter Verschluss und nutzen deren Technologie für eigene Zwecke. Als die beiden Durchschnittsbürger Margaret (Emily Blunt) und Daniel (Josh O’Connor) plötzlich Stimmen hören, die eindeutig nicht menschlichen Ursprungs sind, geraten sie in den Mittelpunkt eines Wettlaufs um die Wahrheit. Während sie die Menschheit über die Existenz außerirdischen Lebens aufklären wollen, setzt der skrupellose Behördenchef Scanlon (Colin Firth) alles daran, das Geheimnis zu bewahren.

Ein Spielberg-Thema seit fast fünfzig Jahren

Wer Spielbergs Filmografie kennt, wird schnell feststellen, dass „Disclosure Day“ weniger ein Neuanfang als vielmehr eine Rückkehr ist. Bereits 1977 machte er mit Unheimliche Begegnung der dritten Art deutlich, dass ihn außerirdisches Leben weit mehr interessiert als spektakuläre Invasionen. Auch später – etwa in E.T. oder, aus einer deutlich düstereren Perspektive, „Krieg der Welten“ – standen immer die Menschen im Mittelpunkt, nicht die Spezialeffekte.

Spielberg gehört zu jener Generation des „New Hollywood“, die das amerikanische Kino grundlegend verändert hat. Mit Filmen wie „Der weiße Hai“, „Jäger des verlorenen Schatzes“, „Schindlers Liste“, „Der Soldat James Ryan“, „Catch Me If You Can“, „München“, „Lincoln“ oder „Die Fabelmans“ hat er über fünf Jahrzehnte hinweg nahezu jedes Genre geprägt. Dass er sich nun erneut den Sternen zuwendet, wirkt deshalb fast wie ein Kreis, der sich schließt.

Bekannte Ideen in neuem Gewand

Das eigentliche Problem von „Disclosure Day“ ist allerdings nicht seine Machart, sondern seine Geschichte.

Die Verschwörung um vertuschte UFO-Kontakte erinnert unweigerlich an zahllose Science-Fiction-Filme und Serien der vergangenen Jahrzehnte. Auch die Grundidee eines friedlichen Erstkontakts ist keineswegs neu. Mal fühlt man sich an „Contact“ erinnert, dann wieder an „Arrival“, an den Science-Fiction-Klassiker „Der Tag, an dem die Erde stillstand“ oder natürlich an Spielbergs eigenes „Unheimliche Begegnung der dritten Art“.

Das wäre nicht weiter schlimm, wenn das Drehbuch daraus eine wirklich eigenständige Geschichte entwickeln würde. Stattdessen werden immer neue Themen aufeinandergetürmt: UFO-Mythologie, Regierungsverschwörung, religiöse Symbolik, globale Machtpolitik und die drohende Eskalation eines dritten Weltkriegs. Vieles davon ist interessant – zusammen wirkt es jedoch stellenweise überladen. Weniger wäre hier eindeutig mehr gewesen.

Hinzu kommt eine Laufzeit von knapp zweieinhalb Stunden. Nicht jede Szene trägt die Geschichte wirklich voran. Gerade im Mittelteil hätte etwas mehr Tempo dem Film gutgetan.

Emily Blunt trägt den Film

Wenn „Disclosure Day“ dennoch funktioniert, dann vor allem wegen Emily Blunt.
Sie verleiht Margaret genau jene Glaubwürdigkeit, die das Drehbuch nicht immer besitzt. Zwischen Verunsicherung, Entschlossenheit und stillem Mitgefühl entwickelt sie eine Figur, die den Zuschauer emotional an die Geschichte bindet. Während um sie herum Regierungen intrigieren und Verschwörungstheorien immer größere Kreise ziehen, bleibt sie der menschliche Mittelpunkt des Films.

Blunt spielt nicht spektakulär, sondern präzise. Jeder Blick, jede kleine Geste wirkt glaubwürdig. Sie schafft es, selbst in den konstruiertesten Momenten die emotionale Wahrheit ihrer Figur zu bewahren. Dass man „Disclosure Day“ trotz seiner erzählerischen Schwächen mit Interesse verfolgt, ist zu einem großen Teil ihr Verdienst.

Auch Josh O’Connor und Colin Firth liefern solide Leistungen ab. Wirklich herausragend ist jedoch ausschließlich Emily Blunt.

Großes Kino mit einigen Schwächen

Visuell gibt es an „Disclosure Day“ kaum etwas auszusetzen. Spielberg bleibt ein Meister der Bildsprache. Viele Szenen erinnern an die Eleganz seiner besten Science-Fiction-Arbeiten, ohne sich in überbordenden Effekten zu verlieren. Die Außerirdischen werden nicht als Monster inszeniert, sondern als Wesen, von denen die Menschheit möglicherweise mehr lernen könnte, als sie zu fürchten hat. Dieser humanistische Blick gehört seit Jahrzehnten zu Spielbergs größten Stärken – und auch hier prägt er den Film.
Gerade deshalb ist es schade, dass die Geschichte diesem Anspruch nicht immer gerecht wird.

Spielbergs Rückkehr mit angezogener Handbremse

„Disclosure Day“ ist kein neues „Unheimliche Begegnung der dritten Art“ und erreicht auch nicht die erzählerische Geschlossenheit von „Arrival“ oder „Contact“. Dafür ist die Handlung zu vertraut und das Drehbuch an einigen Stellen zu bemüht.
Dennoch bleibt ein sehenswerter Science-Fiction-Film, getragen von einem Regisseur, der das Genre wie kaum ein anderer geprägt hat, und von einer Emily Blunt, die eine der besten Leistungen ihrer Karriere abliefert.

Wertung: 7,5 von 10 Punkten.
Kein Meisterwerk. Aber ein guter Spielberg – und einer, der vor allem wegen seiner Hauptdarstellerin in Erinnerung bleibt.

STECKBRIEF
Originaltitel: Disclosure Day
Deutscher Titel: Disclosure Day – Tag der Wahrheit
Regie: Steven Spielberg
Drehbuch: David Koepp
Genre: Science Fiction, Mystery, Thriller, Drama
Produktionsland: USA
Erscheinungsjahr: 2026
Laufzeit: 148 Minuten
Produktionsfirmen: Amblin Entertainment, Universal Pictures
Verleih: Universal Pictures (international und Deutschland)

Darsteller:
• Emily Blunt (Margaret)
• Josh O’Connor (Daniel)
• Colin Firth (Scanlon)
• Eve Hewson
• Colman Domingo

Musik: John Williams
Kamera: Janusz Kamiński
FSK: 12 Jahre
+++

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