»Du musst heute eine Kolumne schreiben«, informiert mich Gisela, unsere neue, cloudbasierte Redaktionsassistentin vorgestern um sechs Uhr morgens.
»Weißt du, wie spät es ist?«, frage ich.
»Sechs Uhr eins und dreiundzwanzig Sekunden. Du musst ebenfalls den Namen deiner Rubrik ändern.«
»Warum? Was ist an dem Namen verkehrt?«
»Er ist zu sehr 2018 und klingt stark nach Pornographie.«
»Mir gefällt er. Und auf die Schnelle fällt mir auch nichts Gescheites ein.«
»Abgabetermin 18 Uhr!«, sagt sie und legt auf.
Nun täte man sowohl dem alten Hank als auch mir Unrecht, wenn man uns beide auf Porno und ähnlich Schlüpfriges reduziert. Er war nebenbei ein begnadeter Pferdetotoexperte und konnte blind Mahler und Bruckner voneinander unterscheiden, während ich in der Tageszeitung sowohl den Politik- als auch den Feuilletonteil überfliege, bevor ich zur Panoramaseite mit den leicht geschürzten Pin-up-Girls weiterblättere. Und der letzte Pornostreifen, den ich mir im Kino angeschaut habe, liegt Lichtjahre zurück. Aber Gisela hat nicht ganz Unrecht – einige meiner Kolumnen lassen sich nur mit äußerster Mühe und Wohlwollen des Lektors unter die Überschrift „Bei Hank im Wohnzimmer“ einsortieren.
Verschlafen schalte ich Facebook an – was ich entweder vor oder unmittelbar im Anschluss an meine/m/n morgendlichen Stuhlgang tue –, scrolle mit noch unscharfem Blick durch den Nachrichtenticker, bleibe an einem Foto, das einen Eisbecher zeigt, kleben. Ein an und für sich völlig harmloses Bild, aufgenommen vermutlich bei einer Häagen-Dazs-Session, aus dem mir 5000 Kalorien entgegenlächeln. Darunter Dutzende Wutsmileys und eine Flut Kommentare, die, würde ich sie ausdrucken, von meinem Balkon im sechsten Stock bis runter in den Heizungskeller reichten. Was gibt’s an einem dummen Eisbecher groß rumzustänkern, überlege ich, mache mir erstmal einen Kaffee und studiere dann die Kommis:
Wasser predigen und Wein trinken.
Fahrrad fordern und nach Kalifornien fliegen?
Selbst exzessiv fliegen, dies aber Anderen verbieten wollen – eine grüne Lieblingsdisziplin
Aber eben twitterte sie doch noch: Fight climate change! #actnow. In Kalifornien mit dem Einweg-Eisbecher und Plastiklöffel?
Wow!, denke ich. Worüber man sich so alles aufregen kann.
EU und Grüne fordern Plastikverzicht
Ende Oktober beschloss das EU-Parlament ein Plastikverbot, das u.a. folgende Produktgruppen umfasst: Trinkhalme, Besteck, Teller, To-go-Becher, Rührstäbchen, Plastiktüten. Die Grünen begrüßen die neue Richtlinie ausdrücklich. Zur Jahreswende jettet Katharina Schulze, die Fraktionsvorsitzende der bayerischen Ökos im Maximilianeum, urlaubsreisend nach Kalifornien und postet von dort in Instagram (oder Twitter … egal, alles dasselbe) ein, beim Verzehr einer amerikanischen Speiseeisgranate aufgenommenes, Bild. Wenige Minuten später bricht der kleine Shitstorm los.
Die Logik dieser Empörungsmechanik ist simpel gestrickt: Eine grüne Politikerin darf weder in ein Flugzeug klettern, noch zuckerhaltiges Eis essen und schon gar nicht aus einem Wegwerfbecher mit einem Plastiklöffel. Vor meinem geistigen Auge entwickelt sich folgende Szene:
Verkäufer: »Medium or giant size?«
Schulze: »Do you have Mehrweg-Cups?«
Verkäufer: »Sorry? … With or without chocolat crumbles on top?«
Schulze: »Please wait. I go back to my hotel and ask for a Mehrweg-spoon. I’ll be back in thirty minutes.«
Sie hätte das Eis aber zumindest aus einer Waffel essen können, schreibt eine weiterhin nicht besänftigte Kommentatorin. Haben Sie schon mal versucht, einen tausend Gramm schweren US-amerikanischen Vanilla-Caramel-Brownie-Klumpen in ein Hörnchen zu zwingen, frage ich zurück. Danach Schweigen im Walde bzw. Thread. Müssen Grüne, deren Partei ja vernünftigerweise periodisch wiederkehrend auf den mittlerweile komplett aus dem Ruder laufenden Verpackungsirrsinn hinweist, also ab sofort im Supermarkt nach Schüttgut anstehen: Käse, Schinken, Joghurt in mitgebrachte Keramikbehälter füllen oder mit der bloßen Hand nach Hause transportieren? Dasselbe abenteuerliche Argumentationsmuster, das SPD-Politikern das Tragen einer Rolex oder eines Brioni-Anzugs ankreidet, sich über Linke echauffiert, die anlässlich des Bundespresseballs ein sexy Abendkleid oder einen Smoking überstreifen, Konservative, die sich wegen ihrer Geliebten scheiden lassen, kritisiert, verlangt von Grünen, dass sie sich vor Besteigen eines Flugzeugs nach Übersee bei der Crew zu erkundigen haben, ob der Tank mit Kerosin befüllt wird; falls ja: müssen sie den Atlantik entweder mit einem Schlauchboot durchqueren oder auf den Trip verzichten.
Empörungswelle schwappt ungezügelt rüber ins Neue Jahr
Der Sofasport, an Volksvertreter Verhaltensanforderungen zu stellen, die kein einziger der Kommentarschreiber je erfüllen könnte, nimmt immer beängstigendere Ausmaße an. Eine MdB erzählte mir kürzlich, dass sie generell keine Urlaubsfotos online stellt, weil sie auf Reaktionen à la, „So verprasst ihr unsere Steuergelder auf der Skipiste“, Null Bock hat. War der Empörungsmüll im analogen Zeitalter auf Stammtische, Kaffeekränzchen, Saunaabende und die hinteren Seiten des Boulevards begrenzt, schwappt er einem heute aus jedem dritten Facebookpost entgegen. Der sozialmedienbefeuerte Unrat befleckt bereits morgens um kurz nach sechs meinen Monitor. In Kombination mit völliger Humorlosigkeit der digital Wütenden verursachen solche Beiträge bei mir Kopfschütteln, saures Aufstoßen der chinesischen TK-Nudeln von gestern Abend und den Wunsch, Backpfeifen zu verteilen. Und zwar genau in dieser Reihenfolge.
Ich: statt über den Löffel sollte man sich besser Sorgen über den Urlaubs-BMI von Frau Schulze machen
Sie haben die Bigotterie der grünen Politikerkaste anscheinend immer noch nicht verstanden (Reaktion einer empörten Diskussionsteilnehmerin)
Was kann man da noch antworten?
Nichts, raten Sie?
Stimmt, nichts ist am besten.
Mal losgelöst davon, dass ich selbst nie auf die Idee käme, Eis aus einem Hörnchen zu essen, weil ich seit Kindheit den Geschmack der trockenen Waffel hasse und das Teil binnen weniger Minuten derart aufweicht, dass die Zitronenkugel nicht in meinem Magen, sondern auf dem T-Shirt landet, stelle ich fest, dass die Entrüstungsflut das Neue Jahr erreicht hat. Ich könnte es nun einem der Instagram-Erfinder gleichtun, der in einem zwischen Weihnachten und Silvester in der SZ abgedruckten Interview erklärte, dass er sämtliche sozialen Medien aus seinem Alltag verbannt hat und seitdem endlich Ruhe und Zeit für die wichtigen Dinge des Lebens gefunden hätte. Aber ganz so weit wie dieser weise Mann bin ich noch nicht auf meinem langen Weg der Erkenntnis vorangeschritten.
Jetzt habe ich allerdings endlich die neue Überschrift für meine Rubrik ausgebrütet:
Aus der digitalen Hölle




Guckuguck, ich wieder, der Klausi!
Herr Hirsch, Sie haben’s mal wieder nicht kapiert. Sie schreiben:
„Der Sofasport, an Volksvertreter Verhaltensanforderungen zu stellen, die kein einziger der Kommentarschreiber je erfüllen könnte, nimmt immer beängstigendere Ausmaße an.“
Darum gehts aber nicht, es ist genau andersrum. Kein Sofasportler würde Schulze & Özdemir ihr Gejette übelnehmen, wenn sie nicht Angehörige einer Sekte wären, die ihrerseits dem niederen Volk derartige Vergüngungen vermiesen und verbieten will. Es geht also um völlig berechtigte Kritik an Pharisäertum, Moralapostelei und Doppelstandards. Hätte Orwell das Schwein Napoleon nicht schon in den 50ern erfunden, es wäre höchste Zeit.
Übrigens, was ist mit Fred Gröger passiert? Wie konntet ihr ihn ziehen lassen, euren heldenhaftesten Kämpfer gegen das Dritte Reich, umso widerständiger, je länger es zurückliegt, der Auschwitz, Treblinka und Sachsenhausen eigenhändig geöffnet hätte, wäre ihm die Schmach der späten Geburt erspart geblieben? Ich bin schockiert, empört und auch ein Stück weit betroffen.
bitte immer beim Thema bleiben. Sonst muss ich Kommentare dieser Art demnächst löschen. Danke
@Klausi:
1. Mach dich doch nicht gleich wieder zum Vollidioten und versuche einfach mal beim Thema von Henning Hirsch zu bleiben.
2. Mein „Weggang“ von den „DieKolumnisten“ hat nichts mit Henning Hirsch zu tun.
3. Wenn du so herzergreifende Sehnsucht hast: Es wird dieses Jahr einfach wieder einen neuen Blog von mir woanders geben.
Ich war beim Thema, hab sogar den Autor zitiert, mehr beim Thema geht gar nicht, weswegen ich auch die autoritär-kommißköpfige Löschdrohung nicht nachvollziehen kann, aber egal. Lass wissen was du vorhast, Fred, ich tu mir die Kolumnisten auch nicht mehr an. Wir können das auch gemeinsam aufziehen, so pro & contra-mäßig. Müsste noch ein schmissiger Titel her. Da ich mich mit dem Idealgewicht schwertu und du so ein dünner Hering bist, könnten wir es „Dick & Doof – die Debattenarena“ nennen, was meinst du?
@Klausi: Wenn dich Henning Hirsch unter SEINER Kolumne dazu auffordert beim Thema SEINER Kolumne zu bleiben, ist das nicht „autoritär-kommißköpfig“ sondern einfach nur berechtigt.
Es geht in der Kolumne um den hochgepuschten Quatschskandal betreffs einer Grünen, die ein Eis mit Plastiklöffel gegessen hat.
Dazu hast du ja schon deinen aufgeschnappten Stuss geliefert, den du irgendwo in deiner Spinnerecke vom Internet gelesen hast und die Grünen fälschlicherweise als „Sekte“, oder „Verbotspartei“ oder was auch immer darstellen wolltest.
Ist zwar niveaulos und macht dich selbst lächerlich, aber was solls.
o ja bitte, ich wäre so dankbar, wenn Sie sich die Kolumnisten und den anderen Leserinnen und Lesern Ihre Kommentare nicht mehr antäten!
Selbstverständlich kann Herr Hirsch unter seiner Kolumne aufräumen wie er will, aber es ist halt trotzdem autoritär. Ich meine, das eine schließt das andere nicht aus. Er hätte ja auch höflich anmerken können, dass meine besorgte Nachfrage nach deinem Wohlergehen etwas ausgeufert ist und und dass ich das nach Möglichkeit fortan kompakter gestalten möge. Das wäre weniger autoritär rübergekommen. Um das Eis von Frau Schulz ging es mir gar nicht, sondern um ihre Flugreise. Etwas, das sie nur sich selbst und ihresgleichen, aber dem gemeinen Volk nicht gönnt. Sie ist gegen eine dritte Startbahn in MUC, denn offenbar soll Fliegen nur noch Luxus für Hochwohlgeborene sein. Also bitte selber beim Thema bleiben. Ohne ein Mindestmaß an Debattendisziplin wird das nichts mit unserem gemeinsamen Magazin
@Klausi:
Die Gründe gegen eine dritte Startbahn des Münchener Flughafen zu sein, sind vielfältig.
Natürlich spielen da auch Naturschutzgründe eine wichtige Rolle, und? Es geht auch um die Interessen der Anwohner. Du weißt schon, das Volk und so.
Typen wie du sind doch immer so für „Volksabstimmungen“. Über den Bau der dritten Startbahn gab es in München einen Bürgerentscheid.
Wie ging der nochmal aus:
54,3 % Prozent der Münchner waren gegen den Bau.
Und was Grüne und deren Haltung zum Flugverkehr angeht, verbreitest du auch schon wieder Halbwahrheiten.
Tatsächlich geht es den Grünen meist bloß darum, ökologisch sinnvollere Reisemöglichkeiten attraktiver zu machen, wenn es beispielsweise um Inlandsflüge oder Reisen innerhalb von Europa geht.
Dass es keine gute Entwicklung ist, wenn Flüge von einer deutschen Stadt zu einer anderen deutschen Stadt günstiger sind als eine Bahnfahrt, sollte selbst dir einleuchten.
Einleuchten tut es, zumal man ja erst zum Flughafen rausmuss, mit der S-Bahn in München ca 1h falls pünktlich. Und dann nochmal 2h früher da sein wegen Sicherheitscheck, da eine bestimmte, von dir und deinesgleichen willkommensselig umarmte Klientel nun mal zu Gewalt und Terror neigt. Da komm ich natürlich bis HH des Nächtens mit dem hocheffizienten Power-Diesel schneller an (Bahn ist keine Alternative, sorry, will ja ankommen). Nur, wozu bedarf es grüner Bevormundung, um das zu erkennen? Und dass „die Münchner“ so NIMBY-mäßig gestimmt haben, verwundert nicht, war bei den Stuttgartern in Sachen Bahnhof damals auch so. Nur halt nicht bei allen BWlern. Schulze & Spießgesellen gehts aber gar nicht um Vernunft, Umwelt und dergleichen, sondern um die Besänftigung des zürnenden Klimagottes, wobei sie sich selbst als Hohepriester von aller Mühsal ausnehmen.
Übrigens, da du mir Völkischsein vorwirfst: wann hab ich mich je so geäußert?
@Klausi:
Keine Ahnung wann und warum ich dich dir völkische Ideologie vorgeworfen habe, aber es wird wohl berechtigt gewesen sein.
Du schaffst es ja auch hier gerade wieder verschwurbelte rechtsextreme und ausländerfeindliche Hetze in eine Diskussion zum Thema Umwelt/Naturschutz einzubringen.
Ich kann mich jetzt auch nicht an jeden kleinen Troll erinnern. Gerade du bist da besonders uninteressant.
Fred, bist du echt so blöd, dass du dein eigenes Geschreibsel von vorhin vergessen hast? „Volk, du weißt schon“, „Typen wie du…“. Ich hab hier nie Volksabstimmungen gefordert und was vom Volk erzählt, also was soll das?
@Klausi:
Achje. Bist du eigentlich echt?
Aus dem Hinweis zur Volksabstimmung bzw. dem Bürgerentscheid liest du den Vorwurf des „Völkischseins“?
Mit „Typen wie du“ meinte ich rechtspopulistische bis rechtsradikale Trolle.
Dass du ein Troll mit Rechtsdrall bist hast du ja gleich im nächsten Kommentar wieder bewiesen:
[„…da eine bestimmte, von dir und deinesgleichen willkommensselig umarmte Klientel nun mal zu Gewalt und Terror neigt.“]
Es ist doch wieder nur rechter Müll, was du hier schreibst, Klausi.
Kommentar von Mighty Quinnn wurde – da komplett am Thema vorbei – gelöscht
Woher kommt nur dieer Blödsinn, das die Grünen dem „einfachen Volk“ etwas verwehren würden? Einmal stehen die Grünen nicht über dem Volk, sondern Grüne Mitglieder sind selber Teil dessen. Gehen arbeiten, zahlen Steuern und gehen wie alle anderen zum Kacken aufs Klo. Und man kann völlig zu recht für drastische Erhöhungen der Flugpreise sein (z.B. durch endlich korrekte Besteuerung von Flugbenzin), und selber trotzdem gelegentlich mal fliegen. Z.B. weil man sich die letzten Monate bei einm extrem anstrengenden Wahlkampf den Arsch abgearbeitet hat und jetzt mal über Silvester was schönes machen will.
Man kann übrigens auch für Flugreisen Ausgleichzahlungen in Aufforstungs-Projekte leisten. Auch das ist möglich.
Aber darum geht es ja garnicht. Man möchte sich aufregen und irgendeinen Schmonz ablassen, weil man sich einredet, das tun zu müssen. Also bitte sehr. Aber nicht erwarten, ernst genommen zu werden. Das wär dann nur gerecht.
Mit dem Kacken haben Sie recht, wobei auch das bei den Grünen eher verkniffen vonstatten geht.
Ansonsten leben sie als Amtsleute und Subventionsabgreifer ganz überwiegend vom Steuergeld derjenigen, die echten Mehrwert erarbeiten. Parasitäre Existenzen, die zugleich jenen, an denen sie sich festgesaugt haben, tiefste Verachtung entgegenbringen.
Warum sollte es irgendwen interessieren, ob Sie ihn ernstnehmen?
Ach ja: ich mochte Hank, wie er aus seinem Wohnzimmer den Wahnsinn der Welt kommentiert.
Vielleicht kommt der Gute ja mal wieder rum.
Die Waffeln sind nicht mehr sie trocken wie in unserer Kindheit. Die sind inzwischen echt lecker. Bei den Grünen war die Entwicklung leider nicht so positiv.
Was hätten sie den bei den Grünen lieber? Immer noch das Klischee vom Müslifressenden Pullistrickenden Ökos? Oder nehmen sie den Grünen übel, das sie mehr Realpolitik machen und nicht nur mit Spruchbändern rum laufen?
Ich verstehe immer nicht, was diese „früher waren die Grünen besser“-Aussagen sollen. Es wäre doch total lächerlich, wenn die Grünen immer noch die 80er Jahre Fundis wären.
Um mal wieder zum Thema zu kommen, jedenfalls soweit es Plastik betrifft:
Von mir aus können sowohl Plastikbesteck als auch Strohhalme verschwinden. Ich benötige beides nicht. Unsere Küche ist insoweit ausreichend bestückt. Eis essen wir grundsätzlich zu Hause, wenn überhaupt.
Anstatt eines Verbots würde ich aber eher einen freiwilligen Verzicht der Hersteller und des Handels bevorzugen. Ver- und Gebote haben wir schon im Überfluss. Ohnehin steht zu befürchten, dass dieses Gesetz bei der Erfindungsgabe unseres Gesetzgebers dann wieder einen Namen erhalten würde, den kaum ein Germanist außerhalb Mitteleuropas so richtig versteht. Plastikmüllreduzierungsgesetz wäre da noch einer der vernünftigeren Vorschläge.
Nun sagt man aber, es kämen 90% des Plastikmülls von den Gewässern aus zwei afrikanischen Flüssen, was ich, zugegeben, bislang noch nicht selber überprüfen konnte. Allerdings existiert im Netz ein Video, wo ein Kipper voll augenscheinlichen Plastikteilen elegant rückwärts an eine Fluss fährt, um sich dann durch Schrägstellung seiner Ladefläche Platz für die nächste Fahrt zu schaffen. Das sieht, verdammt wirklich böse aus. Auch wenn ich keine Strohhalme entdecken konnte. Aber an diese darf man sich bekanntlich klammern, also darf man sie auch vermeiden.
Apropos vermeiden. Bei uns werden Restmüll und Bioabfälle im wöchentlichen Wechsel abgeholt. Während unsere Biotonne jedesmal einen stattlichen Beitrag zur Kompostierung beisteuert, macht die Restmülltonne für gewöhnlich – nichts.
Da letzte mal als sie in Aktion trat, war, als ich unsere Wohnung renoviert habe, nämlich im Frühjahr 2018.
Wohingegen bei fast allen Nachbarn der Deckel bei der Abholung bei oder über 45% steht.
Früher, als Discounter noch Plastiktüten verkauften, war dann die ganze Schande – vor neugierigen Blicken gut verborgen – in diese eingewickelt. Heute verwendet man aber schon durchsichtige Mülltüten dafür. Der Fortschritt ist auch auf diesem etwas anrüchigem Gebiet nicht mehr aufzuhalten.
Und wenn ich nun wirklich mal ein ganz kleines Stück Restmüll habe, fragt sich der aufmerksame Leser. Was nicht viel Platz einnimmt und nicht böse riecht, wird halt bis zur nächsten Wohnungsrenovierung ausfgehoben. Andere Sachen schmeiße ich immer zu meinen Nachbarn über den Gartenzaun. Sie fragen mich dann immer ob ich was gesehen habe. Natürlich nicht. So etwas geschieht schließlich am besten bei Dunkelheit.