Tod eines Prokuristen

Das erste Jahr des Trockenbleibens ist erfahrungsgemäß das schwierigste. Stories aus explosiven Therapiegruppen, von der Jobsuche, dem langsamen sich Zurücktasten ins normale Leben und dem Besuch von Kumpels, die den Absprung nicht geschafft haben.

Textauszug:
Klaus war tot; so was von tot. Daran bestand nicht der leiseste Zweifel. In diesem Moment, als er leblos am unteren Ende der steilen Kellertreppe auf dem Rücken lag, war mein neuer Freund nicht schön anzuschauen: irre nach oben verdrehte Augen, Blutfäden rannen aus seinen Mundwinkeln und tropften vom Kinn auf den lackierten Betonboden. Die Lippen schimmerten in einem ungesunden Dunkelrot, ähnlich einem Vampir. Die hintere Schädeldecke schien mir eingedrückt zu sein. Puls konnte ich weder an seinem Handgelenk noch am Hals spüren; atmen tat Klaus ebenfalls nicht mehr. Ich stand zu dieser späten Abendstunde vor einer Leiche. Zehntagebart, fettige und verfilzte Haare, vollgepisste Jeans, bis zum Bauchnabel aufgeknöpftes Hemd, zerrissene Socken. Er stank nach Urin, kaltem Schweiß und Schnaps.

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