ch sitze im anthrazitfarbenen Anzug mit dunkelblauem Hemd um viertel vor neun im Le Faubourg, Nobelschuppen im Zentrum Kölns. Insgesamt sechs Personen am Tisch. Fünf Männer im Altersintervall 40 bis 50. Eine rothaarige Frau, die zu viel Make-Up aufgetragen hat. Mein erstes Business Dinner seit acht Jahren. Ich bin ein bisschen nervös, fahre mit den Fingern durch die Haare, nestele an der Krawatte herum, kontrolliere, ob der Knoten richtig gebunden ist. Meine rechte Hand zittert leicht, sodass ich beim Auslöffeln der Crème Vichyssoise kleckere. Die anderen registrieren es nicht oder geben vor, mein Ungeschick nicht zu sehen. Ich hatte geschworen, mir nichts anmerken zu lassen. So zu tun, als sei das alles völlig normal für mich. Eine Routine, wie ich sie mehrmals wöchentlich absolviere. Am unteren Rand des Jacketts baumelt noch das Preisschild von H+M. Ich versuche, es heimlich mit dem Steakmesser zu entfernen.
Das Gespräch dreht sich um Kundenakquisition. Ich höre zu, nicke hin und wieder zustimmend mit dem Kopf. Sobald die Blicke auf mich gerichtet sind, formuliere ich Sätze wie: „Bei der Jagd nach neuen Zielgruppen dürfen wir die Bestandskunden auf keinen Fall aus den Augen verlieren“ …. oder: „Die Klienten finanzieren unser Gehalt.“ … Gefolgt von: „Gewinne sind der Gradmesser, wie aufmerksam wir den Kunden dienen“. Belanglose Worthülsen, die mir mühelos von den Lippen sprudeln.
