Spaziergänge durch die Jahrhunderte. Wir sind dabei, wenn Sinuhe seinen besten Freund Echnaton vergiftet, erleben das Staunen der Athener, als Phryne vor dem Areopag einen Striptease hinlegt, begleiten Jugurtha auf seinem letzten Gang über das Marsfeld, plündern gemeinsam mit den Landsknechten Frundsbergs die heilige Stadt, tanzen mit Jakob Fugger auf einem Karnevalsball in Venedig, bevor wir uns zu einem Besuch in die Räume der geschlossenen Psychiatrie aufmachen, um beim Marquis de Sade vorbeizuschauen.
Textauszug:
Die Männer Frundsbergs, des Herzogs von Bourbon und die kleineren Kontingente alliierter italienischer Condottieri hatten die Belagerung von Florenz im März unverrichteter Dinge abgebrochen und waren in Eilmärschen nach Rom weitergezogen. Als geldhungrige Söldner machten sie den Papst persönlich für ihre missliche Situation verantwortlich. Denn der hatte sich auf die Seite des französischen Königs gestellt und den deutschen Kaiser öffentlich als Kriegstreiber gebrandmarkt. Da die Landsknechte seit Monaten keinen Sold mehr erhalten hatten, wollten sie nun den Heiligen Vater um die Begleichung seiner Schulden bitten. Als die Truppen Anfang Mai Latium erreichten, stimmten sie aus vielen Kehlen ihr berüchtigtes Schlachtlied an: „Wir sind des Geyers schwarzer Haufen. Und wollen mit Tyrannen raufen.“ Clemens VII erstarrte vor Entsetzen und floh mit einigen Getreuen hinter die uneinnehmbaren Mauern der Engelsburg. Die wenigen Truppen, die zur Verteidigung Roms bereit standen, wurden innerhalb weniger Stunden überrannt und niedergemetzelt. Die Plünderung der Ewigen Stadt nahm ihren Lauf.